Welche Versicherungen braucht ein Gerüstbau- unternehmen?
Gerüstbauunternehmen arbeiten in großer Höhe, bewegen schwere Bauteile und sind auf wechselnden Baustellen tätig. Dadurch entstehen besondere Risiken: Personen können durch herabfallende Gerüstteile verletzt, Gebäude oder Fahrzeuge beschädigt und Gerüstmaterialien gestohlen oder durch Sturm und Vandalismus zerstört werden. Schon ein einzelner Schaden kann hohe Kosten verursachen und im schlimmsten Fall die wirtschaftliche Existenz des Betriebs gefährden.
Ein passgenaues Versicherungskonzept für Gerüstbauer sollte deshalb zunächst die existenzbedrohenden Haftungs- und Sachrisiken absichern. Danach können weitere Versicherungen ergänzt werden, die zum Tätigkeitsumfang, Materialbestand, Fuhrpark und zur Auftragsstruktur des Unternehmens passen.
Kurz erklärt: Welche Versicherung ist für Gerüstbauer am wichtigsten?
Die Betriebshaftpflichtversicherung für Gerüstbauer zählt zu den wichtigsten Versicherungen eines Gerüstbauunternehmens. Sie schützt den Betrieb im vereinbarten Umfang vor den finanziellen Folgen berechtigter Schadenersatzansprüche und wehrt unberechtigte Forderungen ab.
Zusätzlich sollten Gerüstbauer insbesondere die Absicherung ihres Gerüstmaterials, ihrer Fahrzeuge und möglicher Betriebsunterbrechungen prüfen. Abhängig vom Betrieb können außerdem ein gewerblicher Rechtsschutz, ein Firmenvertragsrechtsschutz und eine Bauleistungsversicherung sinnvoll sein.
1. Betriebshaftpflicht- versicherung für Gerüstbauer
Bei Gerüstbauarbeiten können bereits kleine Fehler schwerwiegende Folgen haben. Löst sich beispielsweise ein Bauteil, stürzt ein Gerüstelement herab oder wird ein Gerüst unzureichend gesichert, können Personen verletzt und fremde Sachen beschädigt werden. Die daraus entstehenden Schadenersatzforderungen können schnell sehr hoch ausfallen.
Eine Betriebshaftpflichtversicherung prüft, ob gegen den versicherten Gerüstbaubetrieb ein berechtigter Haftpflichtanspruch besteht. Berechtigte Ansprüche reguliert sie im Rahmen der vereinbarten Leistungen und Versicherungssummen. Unberechtigte Forderungen wehrt sie ab. Dieser sogenannte passive Rechtsschutz ist ein wichtiger Bestandteil der Haftpflichtversicherung.
Wichtig ist, dass die tatsächlich ausgeübten Arbeiten vollständig und korrekt im Vertrag erfasst sind. Neben dem klassischen Auf-, Um- und Abbau von Gerüsten sollten auch regelmäßig ausgeführte Nebenarbeiten, eingesetzte Maschinen, beauftragte Subunternehmer und besondere Auftragsarten berücksichtigt werden.
Wichtige Leistungsbausteine der Betriebshaftpflicht
Bei der Auswahl einer Betriebshaftpflichtversicherung für Gerüstbauer sollten – abhängig vom konkreten Tätigkeitsprofil – unter anderem folgende Punkte geprüft werden:
- ausreichend hohe Versicherungssummen für Personen-, Sach- und daraus entstehende Vermögensschäden,
- mitversicherte betriebliche Nebenarbeiten und ergänzende Tätigkeiten,
- Tätigkeiten im Sinne des § 5 der Handwerksordnung, soweit diese ausgeübt werden,
- der Einsatz nicht selbstfahrender Arbeitsmaschinen, Kräne und Winden,
- Schäden durch beauftragte Subunternehmer,
- Tätigkeitsschäden und Bearbeitungsschäden,
- Mietsachschäden an gemieteten oder gepachteten Sachen,
- Schlüsselverlust und der Austausch von Schließanlagen,
- Leitungsschäden und Schäden an unterirdischen Anlagen,
- Nachbesserungsbegleitschäden,
- Mangelbeseitigungsnebenkosten,
- Umwelthaftpflicht- und Umweltschadensrisiken,
- eine mögliche Neuwertentschädigung innerhalb des tariflich vereinbarten Zeitraums
- sowie Auslandsrisiken, sofern Aufträge außerhalb Deutschlands ausgeführt werden.
Nicht jeder Tarif enthält diese Leistungen automatisch. Deckungsumfang, Ausschlüsse, Selbstbeteiligungen und Entschädigungsgrenzen können sich deutlich unterscheiden. Ein reiner Preisvergleich reicht daher bei der Betriebshaftpflicht für Gerüstbauer nicht aus.
2. Betriebsinhalts- versicherung für Gerüstmaterial und Betriebsausstattung
Gerüstmaterial, Werkzeuge, Maschinen und die Ausstattung des Materiallagers stellen häufig einen erheblichen Unternehmenswert dar. Ein Brand, Einbruchdiebstahl, Leitungswasserschaden oder Sturm kann deshalb große finanzielle Verluste verursachen.
Eine Betriebsinhaltsversicherung kann die beweglichen betrieblichen Werte gegen vertraglich vereinbarte Gefahren absichern. Dazu können beispielsweise gehören:
- Gerüstbauteile und gelagertes Material,
- Werkzeuge und Maschinen,
- Büro- und Betriebseinrichtung,
- technische Geräte,
- Waren und Vorräte.
Entscheidend ist, dass die Versicherungssumme dem tatsächlichen Wert des gesamten Betriebsinhalts entspricht. Auch die Lagerung im Freien, in Containern oder an unterschiedlichen Standorten muss berücksichtigt werden. Nicht jedes Gerüstmaterial ist außerhalb eines verschlossenen Betriebsgebäudes automatisch versichert.
3. Ertragsausfall- oder Betriebsunterbrech- ungsversicherung
Wird das Materiallager beispielsweise durch einen Brand schwer beschädigt, kann neben dem Sachschaden auch ein längerer Betriebsausfall entstehen. Aufträge lassen sich möglicherweise nicht ausführen, während Löhne, Miete, Leasingraten und weitere laufende Kosten weiterbezahlt werden müssen.
Eine Ertragsausfallversicherung, häufig auch Betriebsunterbrechungsversicherung genannt, kann nach einem versicherten Sachschaden den entgangenen Betriebsgewinn und fortlaufende Kosten im vereinbarten Umfang ersetzen. Dabei sollten insbesondere die Haftzeit und die Versicherungssumme zur realistischen Wiederbeschaffungs- und Wiederaufbauzeit des Betriebs passen.
4. Transport- versicherung für Gerüstmaterial
Gerüstbauteile und Werkzeuge werden regelmäßig zwischen Betriebshof und Baustelle transportiert. Während dieser Fahrten kann das Material durch einen Unfall, Diebstahl oder andere Ereignisse beschädigt werden oder verloren gehen.
Eine passende Transportversicherung beziehungsweise Werkverkehrsversicherung kann Gerüstmaterialien und Werkzeuge während des Transports absichern. Dabei sollte geprüft werden, ob auch Be- und Entladevorgänge, Zwischenlagerungen, Nachtzeiten und auf dem Fahrzeug zurückgelassenes Material eingeschlossen sind. Die konkreten Sicherungsvorgaben des Versicherers müssen eingehalten werden.
5. Kfz- und Flottenversicherung
Gerüstbauunternehmen verfügen häufig über mehrere Transporter, Lkw, Anhänger oder Kranfahrzeuge. Für zulassungspflichtige Fahrzeuge ist eine Kfz-Haftpflichtversicherung gesetzlich vorgeschrieben. Darüber hinaus kann eine Teil- oder Vollkaskoversicherung sinnvoll sein.
Sind mehrere Fahrzeuge vorhanden, kann eine Flottenversicherung für Gerüstbauer die Verwaltung vereinfachen. Abhängig vom Anbieter und von der Größe des Fuhrparks lassen sich Fahrzeuge in einem gemeinsamen Vertrag bündeln. Anhänger, Sonderaufbauten und fest montierte technische Einrichtungen sollten ausdrücklich berücksichtigt werden.
6. Bauleistungs- versicherung
Unvorhersehbare Schäden auf einer Baustelle können zu Streitigkeiten und hohen Zusatzkosten führen. Dazu zählen je nach Vertragsgestaltung beispielsweise Schäden durch Sturm, Vandalismus, Ungeschicklichkeit oder außergewöhnliche Witterungseinflüsse.
Ob und in welchem Umfang eine Bauleistungsversicherung auch das errichtete Gerüst oder die Interessen des Gerüstbauunternehmens absichert, hängt vom jeweiligen Vertrag, dem Bauvorhaben und der versicherten Eigenschaft des Betriebs ab. Deshalb sollte vor Beginn eines Projekts geklärt werden, ob bereits über den Bauherrn Versicherungsschutz besteht oder eine eigene Absicherung erforderlich ist.
7. Gewerblicher Rechtsschutz und Firmenvertrags- rechtsschutz
Auch bei sorgfältiger Arbeit lassen sich rechtliche Auseinandersetzungen nicht immer vermeiden. Ein gewerblicher Rechtsschutz kann – abhängig von den vereinbarten Bausteinen – beispielsweise bei arbeitsrechtlichen, verkehrsrechtlichen, steuerrechtlichen oder strafrechtlichen Streitigkeiten unterstützen.
Vertragsstreitigkeiten aus der eigentlichen gewerblichen Tätigkeit sind in vielen klassischen Firmenrechtsschutzverträgen jedoch nicht oder nur eingeschränkt versichert. Hier kann ein gesonderter Firmenvertragsrechtsschutz für Gerüstbauer sinnvoll sein.
Mögliche Anwendungsbereiche sind:
- Streit mit Kunden über unbezahlte Rechnungen,
- Auseinandersetzungen über die Qualität oder Abnahme ausgeführter Arbeiten,
- Konflikte aus Werk- und Dienstleistungsverträgen,
- Streit mit Lieferanten wegen mangelhafter oder verspäteter Lieferungen,
- Probleme bei Reparatur- und Wartungsverträgen
- sowie Auseinandersetzungen beim Kauf betrieblicher Werkzeuge, Maschinen oder Büroausstattung.
Gerade beim Firmenvertragsrechtsschutz unterscheiden sich Wartezeiten, Selbstbeteiligungen, Mindeststreitwerte und versicherte Vertragsarten erheblich. Auch der Forderungseinzug nach erfolgloser Mahnung ist nicht in jedem Tarif automatisch enthalten.
Welche Versicherungen sind für Gerüstbauer unverzichtbar?
Eine Betriebshaftpflichtversicherung ist für Gerüstbauunternehmen in der Regel dringend zu empfehlen, weil Personen- und Sachschäden sehr hohe Schadenersatzforderungen auslösen können. Ebenso wichtig ist häufig die Absicherung des wertvollen Gerüstmaterials und der Betriebsausstattung über eine geeignete Inhaltsversicherung.
Welche weiteren Versicherungen benötigt werden, hängt vom einzelnen Unternehmen ab. Wesentliche Faktoren sind:
- Wert und Lagerung des Gerüstmaterials,
- Anzahl und Art der Fahrzeuge,
- Einsatz eigener oder gemieteter Kräne und Arbeitsmaschinen,
- Beschäftigung von Mitarbeitern und Subunternehmern,
- Umfang der ausgeführten Nebenarbeiten,
- Größe und Dauer der Bauprojekte,
- Tätigkeit im Ausland
- sowie vertragliche Anforderungen von Auftraggebern.
Häufige Fragen zu Versicherungen für Gerüstbauer
Ist die Betriebshaftpflicht- versicherung für Gerüstbauer Pflicht?
Eine Betriebshaftpflichtversicherung ist für Gerüstbauer nicht pauschal als gesetzliche Pflichtversicherung einzuordnen. Aufgrund des hohen Risikos von Personen- und Sachschäden ist sie in der Praxis jedoch dringend zu empfehlen. Auftraggeber können außerdem den Nachweis einer ausreichenden Haftpflichtversicherung vertraglich verlangen.
Sind Gerüstmaterialien auf der Baustelle automatisch versichert?
Nein. Ob Gerüstmaterial auf einer Baustelle, während des Transports oder bei einer Lagerung im Freien versichert ist, hängt vom jeweiligen Vertrag ab. Versicherungsorte, Sicherungsvorgaben, Entschädigungsgrenzen und mögliche Ausschlüsse sollten genau geprüft werden.
Deckt die Kfz-Versicherung auch Gerüstmaterial auf dem Fahrzeug?
Die Kfz-Versicherung schützt in erster Linie das Fahrzeug und die damit verbundenen Haftpflichtrisiken. Transportiertes Gerüstmaterial und mitgeführte Werkzeuge benötigen häufig eine zusätzliche Transport- oder Werkverkehrsversicherung.
Was kostet eine Betriebshaftpflicht- versicherung für Gerüstbauer?
Die Kosten hängen unter anderem vom Jahresumsatz, der Mitarbeiterzahl, dem Tätigkeitsumfang, den gewünschten Versicherungssummen, dem Einsatz von Subunternehmern und dem bisherigen Schadenverlauf ab. Eine seriöse Beitragsberechnung ist deshalb nur auf Grundlage der individuellen Betriebsdaten möglich.
Fazit: Versicherungsschutz für Gerüstbauer individuell planen
Gerüstbauunternehmen benötigen aufgrund ihrer anspruchsvollen Tätigkeiten einen Versicherungsschutz, der exakt auf den Betrieb zugeschnitten ist. Die Betriebshaftpflicht bildet dabei häufig die wichtigste Grundlage. Eine Betriebsinhaltsversicherung, Ertragsausfallversicherung, Transportversicherung sowie eine passende Absicherung des Fuhrparks können das Versicherungskonzept sinnvoll ergänzen.
Als spezialisierter Versicherungsmakler für Handwerksbetriebe prüfen wir die Risiken Deines Gerüstbauunternehmens, vergleichen geeignete Tarife und achten auf branchenspezifische Leistungsbausteine. So erhältst Du keine Versicherungslösung von der Stange, sondern ein Absicherungskonzept, das zu Deinen Tätigkeiten, Deinem Materialbestand und Deiner betrieblichen Situation passt.
Hinweis: Der konkrete Versicherungsschutz richtet sich immer nach dem jeweiligen Vertrag, den Versicherungsbedingungen, vereinbarten Versicherungssummen und Ausschlüssen. Dieser Beitrag bietet eine allgemeine Orientierung und ersetzt keine individuelle Beratung.








